Der Begriff "Bildgestaltung" bedeutet dem Fotografen einige Regeln und Lehren an die Hand zu geben, wie er gute Bilder machen kann. Eine gute Sache ist die Beurteilung guter Bilder. Doch häufig fragt man sich selbst: warum gefällt mir dieses Bild so gut? Ich möchte hier nun einige Empfehlungen geben. Damit der Anfänger weiß wie und warum ein Bild auf den Betrachter wirkt. Und welche Hilfsmittel es gibt um die gewünschten Effekte zu erzielen.
Warum macht man Bilder? Natürlich um sie anderen zu zeigen, damit diese wissen was ich gesehen und erlebt habe. Wenn das Foto gelingt und die Umstände stimmen, kann ich sogar mitteilen was ich gefühlt habe. Sehen, Erleben und Emotionen das soll das Foto dem Betrachter vermitteln.
Bei der Bildgestaltung geht es deshalb darum, dass unser Foto den Betrachtern gefällt, dass wir sie erstaunen, berühren, schockieren, und sie in unsere Welt mitnehmen. Wenn man also nicht Fotograf und einziger Betrachter in Personalunion ist, tut man gut daran, sich von eigenen Vorstellungen erstmal zu lösen. Soll man nun die Welt im Sucher durch die Augen der Anderen sehen? Kann man alle Menschen bei der Wirkung des Bildes über einen Kamm scheren? Diese Fragen ergeben sich zwangsläufig. Sicher kann man die Welt nur mit eigenen Augen sehen, man kann sein Publikum aber kennen, oder kennenlernen. Hinsichtlich der Bildwirkung sind ebenfalls nicht alle Menschen gleich, aber man kann Lehren aufstellen, die für die Mehrheit der Betrachter gelten. Bildgestaltung hat also keine sehr scharfen Vorgaben. Manchmal ist die Ausnahme von der Regel sogar das bessere Bild.
Im Auge wird die Umgebung auf die Netzhaut projiziert. Zur Zeit der Jäger und Sammler war es von entscheidender Bedeutung, dass der Sinnesreiz auf der Netzhaut möglichst schnell im Gehirn zu einem Abbild der Umwelt zusammengefasst wurde. Viele unserer Vorfahren haben es richtig gemacht, genauer hingeschaut und den Bären oder Säbelzahntiger rechtzeitig erkannt. Das Sichtbare wird in unserem Gehirn stark vereinfacht und reduziert. Ausgewählt wird das, was am schnellsten ins Auge springt. Auf die Schnelle sind wir nicht im Stande verschiedene Bedeutungen des Gesehenen zu interpretieren.
Daraus ergibt sich folgende Lehre: Wenn es in unserem Bild etwas gibt, was ins Auge springt, wenn es etwas gibt, das die wichtige Hauptsache ist, dann tritt alles andere besser in den Hintergrund, dann ist alles andere eher unwichtig. Also lass weg, geh nah ran, benutze ein Teleobjektiv.
Bildgestaltung:
Fotografie ist Kommunikation.
Die Bildwirkung auf den Betrachter.
Das Sehen unserer Umwelt.
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Objekte die mit dem Augenfälligen in direktem Zusammenhang steht, gehört mit zum Hauptgegenstand des Bildes und sind somit für die Aussage wichtig.
Das menschliche Auge arbeitet völlig anders als die Kamera: Das Sehfeld unserer Augen erfasst bei jungen Menschen etwa 180° und 140° bei älteren Menschen. Doch nur ein winziger, mittlerer Bereich der Netzhaut liefert wirklich scharfe Bilder, sodass wir nur dort Details erkennen können. Um diesen Nachteil auszugleichen bewegen wir die Augen schnell hin und her, dadurch haben wir den Eindruck scharf zu sehen. Wir können den Versuch machen, wie viele Buchstaben dieses Textes wir wirklich erkennen können, wenn der Blick starr einen einzelnen Punkt fixiert. Unsere Aufmerksamkeit ist sehr selektiv.
Daraus ergibt sich folgende Lehre:
Bilder wirken besser, wenn sie einfach und aufgeräumt sind und überflüssige Details weggelassen werden.
Die Brücke das Meer ein paar Möwen mehr nicht.
Gibt es mehrere deutlich abgegrenzte Bildelemente dann sollen sie nicht in Konkurrenz zueinanderstehen. Elemente im Bild sollten in etwa gleichwertig erscheinen, oder ein Element sollte im Vordergrund stehen und weitere Elemente sollten ergänzen.
Die beiden Orchideen rechts sind klar die Nr.1
Es kann mehrere gleichwertige Elemente geben, wenn diese eine Beziehung zueinander haben die dem Betrachter sofort ersichtlich ist.
Im Sport z.B. können Elemente gleichwertig sein,
weil sie eine starke Beziehung zueinander haben.
Sehr viele gleichwertige Elemente werden vom Auge nicht einzeln wahrgenommen, sondern als Gesamtheit.
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